Wege in die Selbstständigkeit
beziehungsweise 5/2026 – Artikel 1
Wege in die Selbstständigkeit
Studie zu Leaving Care und Hilfen für junge Erwachsene
Von Helena Hornung
In einer jüngst veröffentlichten ÖIF-Studie wurde die Situation von Care Leavern in Österreich beleuchtet (Kapella u. a. 2026). Care Leaver sind junge Menschen, die durch die Kinder- und Jugendhilfe (KJH) betreut werden, etwa in sozialpädagogischen Wohngruppen oder bei Pflegefamilien, und an der Schwelle zur Selbstständigkeit stehen oder die Care der KJH bereits verlassen haben. Im Studienfokus stand die KJH-Maßnahme “Hilfen für junge Erwachsene” (HfjE), die bei Bedarf an die Erziehungshilfen oder die volle Erziehung anschließt, um für Care Leaver den Übergang in die Selbstständigkeit zu unterstützen. Untersucht wurden einerseits Bedürfnisse und Herausforderungen der Care Leaver, andererseits die Gewährungspraxis der HfjE. Die Ergebnisse beruhen auf einer Literaturrecherche zu Herausforderungen und Resilienzfaktoren im Leaving-Care-Prozess sowie auf zwei Teilstudien: einer Online-Befragung unter KJH-Fachkräften und Pflegeeltern sowie einer qualitativen Studie mit 24 Interviews, davon 16 mit Care Leavern und acht mit Fachkräften sowie Selbstvertretungsorganisationen.
Was macht den Übergang in die Selbstständigkeit aus?
Der Übergang junger Menschen von der Betreuung der KJH in die Selbstständigkeit wird auch als “Leaving Care” bezeichnet. Der Begriff meint das Verlassen des Kinder- und Jugendhilfesystems und wird verwendet, um die Prozesshaftigkeit dieses Übergangs zu betonen. Mit dem 18. Geburtstag ist zwar ein klares Hilfeende vorgesehen, der Übergang hingegen lässt sich zeitlich nicht klar abgrenzen und erstreckt sich über einige Zeit vor und nach dem Hilfeende. Leaving Care ist eingebettet in die Lebensphase junger Menschen, in der auch ihre Verselbstständigung ins Erwachsenenalter stattfindet. Somit durchlaufen Care Leaver mehrere parallele Übergänge.
Grundsätzlich ist die Statuspassage rund um die Volljährigkeit für alle jungen Menschen herausfordernd. Hurrelmann und Quenzel (2022) beschreiben die Jugend als Zwischenschritt im Übergang vom Kind-Sein zum Erwachsenen-Sein, in dem Jugendliche zunehmend autonom handlungsfähig werden. Zwei zentrale Bereiche der Verselbstständigung stellen der Übergang von Schule bzw. Ausbildung zur Erwerbstätigkeit sowie die Ablösung vom Elternhaus dar. Zudem gilt die Adoleszenz mit der Weichenstellung für das spätere Leben als besonders sensible Lebensphase. Arnett (2000) geht sogar weiter und konzipiert die Zeit nach dem Volljährigwerden als eigene Entwicklungsphase. Sein Konzept der “emerging adulthood” beschreibt eine Phase des sich entwickelnden Erwachsenseins, die sich vom 18. Lebensjahr bis zum Ende des dritten Lebensjahrzehnts erstrecken kann. Diese Entwicklungsphase ist geprägt durch eine Vielzahl von Veränderungen und Instabilität der Lebensverhältnisse sowie der Exploration von Möglichkeitsräumen in Bezug auf Arbeit, Liebe und Wohnen. Arnett (2000) betont allerdings auch die Heterogenität der emerging adults und dass die Möglichkeiten der Exploration verschiedener Lebensentwürfe vor allem bei sozio-ökonomisch benachteiligten Gruppen begrenzt sind. Andresen u. a. (2022) wiederum betrachten Übergänge allgemein weniger als feste allgemeingültige Einheiten oder als Resultat gesellschaftlicher Strukturen, sondern als soziale Prozesse, die aktiv zu gestalten sind. Dabei führen sie den Begriff “doing transitions” ein, der auf die Praktiken verweist, durch die Übergänge erst entstehen. Sie fokussieren mit diesem Ansatz weniger auf die Effekte von Übergängen, sondern vielmehr auf deren Entstehung, einschließlich der beteiligten Akteure, sozialen Beziehungen und Prozesse.
Literatur zeigt besondere Situation von Care Leavern
Die Sichtung internationaler Literatur zeigt trotz länderspezifischer Unterschiede viele Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Situation von Care Leavern: Sie müssen den Übergang ins Erwachsenenleben unter schwierigeren Bedingungen bewältigen als ihre Peers. Die Lebensverläufe vieler Care Leaver sind von Brüchen und Übergängen geprägt. Nach häufigen Wohn-, Schul- und Betreuungswechseln markiert das Verlassen der Fremdbetreuung einen weiteren Einschnitt. Der Schritt in die Selbstständigkeit wird oft als abrupt erlebt – verbunden mit dem Verlust vertrauter Strukturen und Bezugspersonen. Viele bringen belastende Erfahrungen aus der Herkunftsfamilie mit, etwa Vernachlässigung, Misshandlung oder fehlende emotionale Unterstützung. Diese Erfahrungen wirken langfristig auf die psychische Gesundheit und das Vertrauen in Menschen und Institutionen. Zudem ist der Übergang oft verdichtet: Während viele Gleichaltrige erst in ihren Zwanzigern ausziehen und schrittweise selbstständig werden, endet für Care Leaver die KJH-Unterstützung prinzipiell mit 18 Jahren. Viele erleben den Leaving-Care-Prozess als hektisch und fühlen sich nicht ausreichend vorbereitet, da sie zahlreiche Herausforderungen in kurzer Zeit mit minimaler Unterstützung bewältigen müssen. Beziehungen zur Herkunftsfamilie sind häufig konflikthaft oder belastend. Hinzu kommen strukturelle Benachteiligungen, die häufig negative Folgen nach sich ziehen: Care Leaver erreichen im Durchschnitt niedrigere Bildungsabschlüsse, brechen Ausbildungen häufiger ab und haben schlechtere Chancen am Arbeitsmarkt. Auch finanzielle Schwierigkeiten treten überdurchschnittlich oft mangels familiärer Absicherung auf. Dies erhöht längerfristig das Risiko von Armut, Verschuldung und unsicheren Wohnverhältnissen bis hin zu Wohnungslosigkeit (für die umfassende Darstellung der Literaturrecherche siehe Kapella u. a. 2026).
Die Hilfen für junge Erwachsene (HfjE) sollen den Übergang von der Kinder- und Jugendhilfe (KJH) in die Selbstständigkeit unterstützen, vor allem bei noch laufender Ausbildung. Ein Rechtsanspruch besteht jedoch nicht: HfjE werden nur auf Antrag und nach Ermessen der zuständigen Sozialarbeiter:innen gewährt. Das Höchstalter liegt in Österreich grundsätzlich bei 21, in einzelnen Bundesländern teils bei 24 Jahren. HfjE können ambulant oder stationär gewährt werden. Die HfjE sind Teil der Erziehungshilfen der KJH, und werden somit durch die KJH-Gesetze der Bundesländer geregelt.
Wie kann die Verselbstständigung unterstützt werden?
Immer wieder wird betont, dass das Hervorheben negativer Outcomes eine gewisse Vulnerabilität und Stigmatisierung von Care Leavern befördert. Zentraler Kritikpunkt an diesem Fokus ist der fehlende Blick auf das “implizite Erfahrungswissen” sowie auf die Selbstwirksamkeit und Handlungsmacht der Care Leaver (Nagy 2021: 29). Nagy beispielsweise betont die Notwendigkeit, ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, was Care Leaver brauchen, um ihren Verselbstständigungsprozess selbstwirksam zu gestalten. Jüngere Arbeiten untersuchen mittlerweile verstärkt Ressourcen und förderliche Faktoren, wie beispielweise Bildung, Partizipation und soziale Teilhabe. Hervorgehoben werden auch eigene Ressourcen, etwa die positive Umdeutung belastender Umstände und der Zielhorizont eines Neuanfangs im eigenen Leben. Im Verständnis von "doing transitions" als ko-produzierte Prozesse rückt die Agency der Care Leaver – in Aushandlung mit Akteur:innen und Rahmenbedingungen – ins Zentrum. Entsprechend stellt sich die Frage, welche Formen der Unterstützung die eigenmächtige Gestaltung des Übergangs von der KJH in die Selbstständigkeit ermöglichen. In dieser Studie lag dabei der Fokus auf der Gewährungspraxis der HfjE und wie Care Leaver in Abhängigkeit davon ihren Übergang in die Selbstständigkeit erlebten.
Drei Wege aus der Kinder- und Jugendhilfe ins eigenständige Leben
Die Studienergebnisse zeigen trotz der Unterschiede aufgrund von individuellen Lebensgeschichten, Ressourcen und persönlichen Neigungen ein deutliches Muster im Übergangserleben beziehungsweise wie sich der Leaving-Care-Prozess bei den interviewten jungen Erwachsenen gestaltete. Aus der Analyse der qualitativen Interviews ließen sich drei Arten des Übergangs identifizieren: der begleitete, der selbstgesteuerte und der prekäre Übergang. Dabei fokussiert die Typologie auf das Übergangserleben, also wie sich der Leaving-Care-Prozess entfaltet hat und wie sehr sich die Care Leaver darin gestützt, begleitet und abgesichert fühlten.
Typ I: Der begleitete Übergang
“Ein sauberer Übergang sozusagen” – In dieser Art von Übergang wird der Weg von der KJH in die Selbstständigkeit als schrittweiser und gut begleiteter Prozess erlebt. Die jungen Erwachsenen, die diesen Übergang erleben, wünschen sich über die Volljährigkeit hinaus im Rahmen der HfjE weiter unterstützt zu werden, und bekommen diese Hilfe auch. Sie schildern, dass sie sich in ihrem eigenen Tempo verselbstständigen können und genug Zeit und Möglichkeiten haben, sich auf das eigenständige Leben umzustellen. Die Gründe für die Verlängerung sind unterschiedlich: Manche benötigen emotionale und psychosoziale Unterstützung, andere möchten Alltagskompetenzen vertiefen oder ihre Ausbildung in einem stabilen Rahmen abschließen, ohne finanzielle Ängste und Unsicherheiten: “Das ist wichtig für mich gewesen immer und auch zu wissen, dass man eben keinen Stress hat, während der Ausbildung und auch sobald die Ausbildung zu Ende ist, dass man irgendwie nicht ohne Obdach ist, […] also dass die Grundbedürfnisse abgesichert sind” (Care Leaver).
Charakteristisch ist, dass die Gewährung der Hilfen als unkompliziert und planbar erlebt wird und die jungen Erwachsenen ausreichend Zeit haben, sich auf das Hilfeende vorzubereiten. Die Verselbstständigung erfolgt schrittweise, etwa über betreutes Innen- und Außenwohnen. Dabei werden praktische Fähigkeiten wie Haushaltsführung, Budgetplanung oder Selbstorganisation vermittelt: “Die Betreuer zeigen das schrittweise, wie alles in einer eigenen Wohnung abrennt […]. Mir wurde das alles in Ruhe erklärt” (Care Leaver). Nach dem Auszug steht häufig noch eine Nachbetreuung zur Verfügung, was aus Sicht der jungen Erwachsenen wichtig ist zur Orientierung im eigenständigen Leben. Insgesamt ist der Übergang von Planbarkeit, Sicherheit und Kontinuität geprägt.
Typ II: Der selbstgesteuerte Übergang
“Ich bin ja volljährig. Ich habe mich entschieden, dass ich den Sozialarbeiter nicht mehr möchte” – Die zweite Art des Übergangserlebens ist dadurch geprägt, dass Care Leaver eine Verlängerung der Hilfen bewusst ablehnen und sich dazu entscheiden, die Verselbstständigung so bald wie möglich und unabhängig zu gestalten. Für sie markiert die Volljährigkeit die Abkopplung von der KJH und den Eintritt in ein selbstbestimmtes Leben. Eine der interviewten Personen verlässt die Care auf eigenen Wunsch bereits vor dem 18. Geburtstag, entgegen der Empfehlungen der Fachkräfte: “Da habe ich mich schon durchsetzen müssen, dass das dann so funktioniert hat, wie ich das wollte […] und abgeraten hat mir trotzdem jeder davon” (Care Leaver).
Im Vordergrund stehen der Wunsch nach Unabhängigkeit und das Bedürfnis, eigene Lebenspläne umzusetzen. Einige möchten mit dem:der Partner:in zusammenziehen, andere ihre Bildungsziele verfolgen oder sich bewusst von als einengend empfundenen Betreuungserfahrungen lösen. Aber nicht alle Care Leaver fühlten sich in der Betreuung eingeengt, kontrolliert und ohne Mitsprache, manche beschreiben die Betreuung als positive Erfahrung und sind dankbar dafür. Trotzdem zeigt sich als Muster in den Schilderungen der Care Leaver dieser Gruppe eine gewisse Betreuungsmüdigkeit – die meisten befinden sich bereits viele Jahre in Betreuung und beschreiben dies als Grund für ihren Abkopplungswunsch: “Ich war schon so lange in der WG und bei mir ist dann so viel vorgefallen, dass ich nicht mehr da wohnen wollte, also nicht wegen der WG, sondern einfach wegen mir selber” (Care Leaver).
Obwohl sich diese Care Leaver als sehr selbstständig wahrnehmen und ihre Entscheidung rückblickend als passend beurteilen, berichten sie durchaus von Schwierigkeiten im Übergang. Herausforderungen ergeben sich vor allem bei finanziellen, administrativen und organisatorischen Fragen rund um Wohnen, Arbeit oder Behördenkontakte: “Ich war bei voll vielen Sachen, angefangen beim Strom anmelden, komplett verwirrt, teilweise dann auch beim Wohnungsuchen” (Care Leaver). Viele hätten sich hier mehr praktische Vorbereitung gewünscht oder die Möglichkeit punktueller Unterstützung nach dem Hilfeende.
Kennzeichnend für diesen Typ ist daher nicht das Fehlen von Unterstützungsbedarf, sondern die freie und selbstbestimmte Lebensgestaltung und die aktive Rücknahme der Entscheidungsmacht darüber.
Typ III: Der prekäre Übergang
“Man weiß nicht, was der nächste Tag bringt. Man weiß nicht, wie man den nächsten Tag finanzieren soll” – Die dritte Gruppe erlebt den Übergang deutlich schwieriger. Die jungen Erwachsenen hätten sich überwiegend eine Verlängerung der Hilfen gewünscht, müssen die Betreuung jedoch verlassen oder erhalten nur eine sehr kurze Verlängerung. Der Auszug erfolgt für sie häufig abrupt, teilweise unvorhersehbar und wird von manchen als „Rauswurf“ beschrieben. Besonders auffällig ist, dass sich diese Care Leaver zum Zeitpunkt des Hilfeendes in belastenden Lebenssituationen befinden, beispielsweise aufgrund von psychischen Krisen, Depressionen, Schicksalsschlägen oder instabilen Lebensverhältnissen: “Ich hab da auch noch Tabletten genommen gegen Depressionen und es […] ist so viel passiert, dann habe ich die eine Matura nicht bestanden, und dann auch noch umziehen müssen” (Care Leaver). Viele berichten, dass sie mehr Zeit benötigt hätten, um sich zu stabilisieren, um “zu schauen, wie sortierst du dich überhaupt” (Care Leaver), ihre Ausbildung abzuschließen oder um sich eine Basis für das selbstständige Wohnen zu errichten.
Die Gewährungspraxis der HfjE wird in dieser Gruppe als besonders restriktiv erlebt, zuweilen auch als widersprüchlich. Obwohl ein akuter Bedarf herrscht oder die Kriterien aus eigener Sicht erfüllt waren, scheitern Verlängerungen beispielsweise an formalen Kriterien oder daran, dass Ausbildungen zwischenzeitlich unterbrochen werden. Aus Sicht der Betroffenen werden ihre individuellen Lebenslagen und Unterstützungsbedarfe oft unzureichend berücksichtigt. Es scheint unverständlich, dass man in Zeiten akuter Krisen in die Selbstständigkeit entlassen wird und dass die Stelle, die sich seit vielen Jahren um sie gekümmert hat, plötzlich nicht mehr zuständig ist. Volljährigwerden markiert für diese Care Leaver nicht bloß den Übergang in die Selbstständigkeit, sondern bedeutet für sie den Verlust ihres bisherigen Unterstützungssystems und das geht mit dem Gefühl einher, alleingelassen zu werden: “Du bist 18, bist erwachsen, jetzt bist du auf dich alleine gestellt” (Care Leaver).
Hinzu kommen Defizite bei Vorbereitung und Information. Viele fühlen sich nicht ausreichend auf Behördengänge, finanzielle Fragen oder die Wohnungssuche vorbereitet und mit den Aufgaben des Erwachsen-Seins überfordert: “Mich hat man ins kalte Wasser geschmissen, damit ich's lerne […]. Dass ich das alles selber mache, komplett alleine. Ja, aber wie soll ich das, wenn ich das noch nie gemacht habe, wie soll ich wissen, wie es funktioniert?” (Care Leaver).
Trotzdem zeigen die Interviews auch in dieser Gruppe eine bemerkenswerte Resilienz. Die Care Leaver entwickeln Strategien, um schwierige Situationen zu bewältigen, deuten diese teilweise als stärkende Erfahrung um, was zum Gefühl der Selbstwirksamkeit beiträgt. Diese Kompetenzen entstehen allerdings häufig aus einer Notlage heraus und sind für manche der Care Leaver nur möglich, da sie entweder aus dem persönlichen Umfeld oder in der Erwachsenensozialarbeit Unterstützung und emotionalen Halt erhalten. Andere wiederum machen die Erfahrung, dass man sich nicht auf andere verlassen kann: “Dass ich gelernt habe, wie ich selbstständig werde, aber nicht, weil es mir beigebracht worden ist, sondern weil ich keine andere Wahl habe […], es war keiner da. Und im Endeffekt, am Ende des Tages musst du für dich selber da sein und für dich selber einstehen” (Care Leaver).
Hilfen für junge Erwachsene für Autonomie und Absicherung
In den verschiedenen Übergangstypen wird eines immer wieder deutlich: Übergänge gelingen, wenn junge Menschen Zeit, Planungssicherheit und bedarfsorientierte Unterstützung erhalten – ergänzt um frühe Vorbereitung, verlässliche Bezugspersonen und transparente Informationen. Care Leaver bewegen sich dabei zwischen dem Wunsch nach Selbstbestimmung und einem grundlegenden Sicherheitsbedürfnis, wobei für die Förderung von Selbstwirksamkeit entscheidend ist, dass junge Menschen nicht zwischen vollständiger Abhängigkeit und plötzlicher Eigenverantwortung wählen müssen. HfjE wirken besonders gut, wenn der Übergang als längerfristiger, individueller Prozess verstanden wird, in dem Hilfen bedarfsorientiert und partizipativ eingesetzt werden, statt sich an starren Kriterien oder Altersgrenzen zu orientierten. Um Care Leavern eine Übergangsgestaltung zu ermöglichen, in der sie ihr Handeln als selbstwirksam erleben, ist Unterstützung wichtig, auf die verlässlich zurückgegriffen werden kann, die schrittweise Verantwortung ermöglicht und Sicherheit bietet. Dabei ist es besonders wichtig, dass Hilfen im Übergang einen sicheren Rahmen für die Gestaltung des individuellen Weges ins Erwachsenenleben bieten und nicht bloß vorbereitend eingesetzt werden. Niedrigschwellige Nachbetreuung, Mentoring, Anlaufstellen und rechtlich abgesicherte Coming-Back-Optionen ermöglichen eigenständige Schritte, damit Care Leaver bei Krisen oder Rückschlägen nicht den Halt verlieren.
Kontakt: helena.hornung(at)oif.ac.at
Zur Autorin
Helena Hornung MA ist Kulturanthropologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Österreichischen Institut für Familienforschung (ÖIF) an der Universität Wien mit den Forschungsschwerpunkten Kinder- und Jugendhilfe, Familienberatung sowie familiäre Arbeitsteilung.
Literatur
Andresen, Sabine; Bauer, Petra; Stauber, Barbara; Walther, Andreas (Hg.) (2022): Doing transitions – die Hervorbringung von Übergängen im Lebenslauf. (Zeitschrift für Pädagogik, Beiheft 68). Weinheim – Basel: Beltz Juventa. DOI: 10.25656/01:29345
Arnett, Jeffrey Jensen (2000): Emerging adulthood: A theory of development from the late teens through the twenties. In: American Psychologist 55, S. 469–480. DOI: 10.1037/0003-066X.55.5.469
Kapella, Olaf; Hornung, Helena; Schmidt, Eva-Maria (2026): Care Leaver: Entscheidung zu Hilfen für junge Erwachsene. Gewährungspraxen in der Kinder- und Jugendhilfe in Österreich. Österreichisches Institut für Familienforschung. Wien: ÖIF Forschungsbericht 60. DOI: 10.25365/phaidra.820
Nagy, Andrea (2021): Vom Heim in die Selbstständigkeit. Perspektiven jugendlicher Care-Leaver auf den Übergang. Bozen: University Press.
Quenzel, Gudrun; Hurrelmann, Klaus (2022): Lebensphase Jugend. Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung. 14., überarb. Aufl. (Grundlagentexte Soziologie) Weinheim – Basel: Beltz Juventa.
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Bei der Erstellung dieses Textes wurde zur redaktionellen Glättung und Textkorrektur stellenweise das universitätsinterne KI-Tool u:ai eingesetzt.